Kultur Netzwerker: Karten für „Kultureinsteiger“ zum Schnäppchenpreis

„Als wir bei der Ballettaufführung in der Staatsoper waren, hatten wir so einen guten Sitzplatz, dass wir die Balletttänzer hüpfen hören konnten“, schwärmt mir Brünnhilde* vor. Sie ist heute mit ihrem Freund Siegfried* zum zweiten Mal mit den Kultur Netzwerkern unterwegs. Es steht die „Entführung aus dem Serail“ auf dem Spielplan.

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Die Entführung aus dem Serail stand im Prinzregententheater auf dem Programm für zwei Scouts und jeweils zwei Gästen. (Foto: Winderl)

Wir treffen uns mit unseren Scouts 45 Minuten vor Spielbeginn am Prinzregententheater. Insgesamt sind wir eine Gruppe von zwei Scouts und vier Gästen. Sogenannte „Newcomer“, die zum ersten Mal eine kulturelle Veranstaltung besuchen, sind dieses Mal nicht dabei. Ich bin mit Johannes Scout Ursula zugeteilt, Brünnhilde und Siegfried Scout Rani.

Das Pärchen meint, „bei 60 Euro pro Karte überlegt man es sich, ob man eine Aufführung besucht. So sind die Karten deutlich günstiger.“ Beide schnuppern heute erst zum zweiten Mal Theaterluft. Der „IT-Mensch“ Siegfried, wie er sich vorstellt, war vor den Kultur Netzwerkern schon einmal bei einem Klassik-Konzert; seine Freundin Brünnhilde, die Personalsachbearbeiterin ist, vor ihrem „Debüt“ in der Staatsoper vor einigen Wochen, noch nie.

Johannes und ich hingegen sind im Vergleich dazu schon „alte Hasen“. Aber die Kultur Netzwerker wollen eigentlich Menschen wie Brünnhilde und Siegfried erreichen, die vorher kaum Kontakt mit der Kulturszene hatten und sie für Kunst, Kultur und Musik begeistern.

Karte für 12 Euro statt 61 Euro
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12 statt 61 Euro mussten die Kultur Netzwerker für ihre Karten in der fünften Reihe zahlen. Kultur zum absoluten Schnäppchenpreis! (Foto: Winderl)

Als ISARSPARERIN begeistert mich zu Beginn vor allem der Preis meiner Karte. Parkett rechts in der fünften Reihe: Das macht dann bitte… 12 Euro! Die Karte in dieser Kategorie würde regulär 61 Euro kosten, wie ich mich an der Kasse informiere. Die Kultur Netzwerker haben über ihre Gründerinnen, die drei Münchner Mädels Julia, Anna und Rosali, Kontakte in die Kulturszene. Die Karten können sie daher so kostengünstig organisieren. Damit bei diesen Schnäppchenpreisen kein Schindluder getrieben werden kann, werden die Karten auf den eigenen Namen hinterlegt – das soll einem Wiederkauf vor Konzertbeginn entgegenwirken.

Der Abend mit den Kultur-Scouts läuft eigentlich sehr locker ab. Je nach persönlichem Interesse erklären die Scouts etwas zum Theater oder dem Stück. Da ich noch nie im Prinzregententheater war, lasse ich mir gerne von Ursula eine kleine Einführung geben. Eröffnet im Jahr 1901 nach dem Vorbild Bayreuths. Wobei Bayreuth im Gegensatz zum „Prinzi“ ein Zweck- und kein Prunkbau ist. Sicher, ich hätte das auch auf Wikipedia nachlesen können, aber das vor Ort präsentiert zu bekommen ist halt noch einmal etwas anderes.

Ursula ist im normalen Leben studierte Forstwirtin, aber ich merke schnell, dass ihre eigentliche Leidenschaft der Oper gehört.

Ich möchte ja nicht behaupten, dass ich mich schlecht in Opern auskenne, aber im Gegensatz zu Ursula bin ich ein echter Laie! Sie erzählt mir, dass sie die heutige Inszenierung bereits als Generalprobe im Cuvilliés gesehen hat.

Studentenermäßigung gilt nur für Karten an der Abendkasse
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Selfie im Opernparkett: Johannes und ich waren Scout Ursula (Mitte) zugeteilt, die im Leben außerhalb der Opern- und Theaterhäuser Forstwirtin ist. (Selfie von Johannes ;))

Spielbeginn um 19.30 Uhr, neben uns sitzen vor allem ältere Herrschaften. Klar, 61 Euro für eine Karte ist auch kein Pappenstil, das können sich eher ältere Mitbürger leisten. Als Studenten erhält man zwar 50 Prozent Ermäßigung auf den regulären Ticketpreis, doch diese Karten kann man nur an der Abendkasse erwerben – wenn dann die gewünschte Kategorie noch verfügbar ist. Mit den Kultur Netzwerkern kommt man also wesentlich besser an günstige Karten, wenn… Ja wenn man schnell ist! Denn die Karten für Konzerte, Ausstellungseröffnungen etc. werden nach dem Windhundprinzip via Facebook vergeben. Wer zuerst kommentiert, malt zuerst bzw. kann zuerst Mahler und Co. hören 😉

Nach rund zwei Stunden ist Pause. Ich habe genau gesehen, dass Siegfried zwischendurch auf seine Apple-Watch getoucht hat. Aber bei rund 30 Grad draußen und der relativ späten Pause ist das wohl völlig legitim. Auch ich als bekennender Mozart-Opern-Fan bin froh, dass die Stühle im Prinzregententheater – anders als im baugleichen Opernhaus in Bayreuth – vor einigen Jahren gepolstert wurden, wie ich von meinem Scout erfahren habe.

Keine Erläuterungen „von oben herab“

In der Pause fragt mich Ursula: „Du warst doch noch nie hier, magst du noch etwas das Haus sehen?“ Klar mag ich, wann habe ich schon so einen Service?

Die Scouts bekommen für Ihren Einsatz übrigens kein Gehalt, die Tätigkeit ist ehrenamtlich, sogar die Karten müssen sie selbst bezahlen. „Aber für solch tolle Karten“ – sind sich Ursula und Rani einig, ist das ja auch kein Preis. Die beiden kannten sich übrigens vor ihrem gemeinsamen Einsatz noch nicht persönlich – mittlerweile haben die Kultur Netzwerker nämlich schon rund 60 Scouts. Sie werden ja nach Interessensgebiet eingeteilt – Ursula und Rani sind für den Bereich Opern und Theater zuständig.

Betreut werden sie dabei von Anna – auch die Gründerinnen haben sich ihre Interessensgebiete eingeteilt.

Raum für Gespräche über den gemeinsamen Abend
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Der sog. Gartensaal ist atemberaubend schön – die Pause lässt sich dort gut verbringen. Die Scouts erklären einem auch die Geschichte der Theater- und Opernhäuser. (Foto: Winderl)

Die Pause nutzt Ursula, um mir den Gartensaal zu zeigen. Ich bin beeindruckt von den Wandmalereien. Ihre Erläuterungen sind nicht aufdringlich oder besserwisserisch, sondern genau richtig. Ich bin begeistert von der jungen Frau, die so für die Oper schwärmt und ich glaube, diese Begeisterung könnte auch auf „Newcomer“ abfärben. Als Nicht-Neuling in der Oper genieße ich es, dass ich mich mit Ursula und Rani auch noch nach der Vorstellung bei einem kühlen Bier an diesem warmen Sommerabend über die Inszenierung austauschen kann.

„Jetzt erst habe ich die Inszenierung verstanden“, sagt Ursula, die ja schon die Generalprobe besucht hat und erklärt mir, dass die schlicht-schwarze Kleidung von Bassa Selim und Osmin den aufgeklärten Orient gegenüber dem noch in der Denke des Barock verhafteten Westens symbolisieren soll. Denn ich persönlich konnte mit der zweigeteilten Inszenierung – barocker Pomp und moderner Eleganz – relativ wenig anfangen. Zu viele spielerische Elemente wie beispielsweise das Umkleiden von Konstanze und Blondchen auf der Bühne, lenken den Zuseher meiner Meinung nach von der Musik ab. „Im Prinzregententheater wirkt die Inszenierung auf der großen Bühne ganz anders.“

Ich muss sagen, ich habe selten einen so wunderbaren Opernabend verbracht! Die Kultur Netzwerker kann ich nicht nur Leuten empfehlen, die grundsätzlich mal reinschnuppern wollen, sondern auch Kultur-Junkies wie ich es bin. Grundsätzlich stünden die Veranstaltungen auch allen Interessierten offen, erklären mir meine Scouts. Doch nur günstige Karten abgreifen und sich dann den Rest des Abends von der Gruppe lösen, das sei eben nicht Sinn und Zweck der Kultur-Netzwerker-Idee. So eine Erfahrung hat Ursula auch schon persönlich gemacht.

Karten werden ausschließlich über Facebook vergeben

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, dem kann ich nur empfehlen, Fan der Kultur Netzwerker auf Facebook zu werden. Denn dort werden, wie gesagt oder geschrieben, alle Veranstaltungen angekündigt und auch vergeben.

Als ich Brünnhilde erzähle, dass ich über den Abend auf meinem Blog schreiben möchte, ist sie sogar etwas traurig, dass sich die Chance für sie verringern könnte, an Karten zu kommen: „Aber je mehr Aufmerksamkeit die Kultur Netzwerker bekommen, je größer werden sie vielleicht!“, sagt sie. Zu wünschen wäre es den drei Gründerinnen und den Scouts, denn die Idee ist wirklich erstklassig!

Kultur-Netzwerker
www.kultur-netzwerker.de –> Homepage ist zwar vorhanden, aber die Kartenvergabe verläuft ausschließlich über die Facebook-Seite: www.facebook.com/KulturNetzwerker

* Die Protagonisten wollten ihre Namen im Nachhinein abgeändert haben. Was wäre passend als in einem Bericht über einen Opernabend im Prinzregententheater, das (wie wir gelernt haben) nach dem Vorbild Bayreuths erbaut wurde, nun die Namen zweier Wagner-Charaktere zu verwenden?

 

 


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