Unheimlich schön: Erwin Olaf in der Kunsthalle München

Der Fotograf Erwin Olaf, dem die Kunsthalle München ihre aktuelle Ausstellung widmet, ist in Deutschland noch relativ unbekannt…

Aber in seiner Heimat Niederlande ist er ein Star. Deswegen durfte er auch die Staatsportraits der holländischen Königsfamilie anfertigen – royales, blaues Blut inspirierte in schon zu mehreren Arbeiten, bei denen er mit Foto, Video, 3D-Druck und Photoshop experimentiert. Und auch die Ausstellung in München nutzt er zu einem ganz besonderen royalen Shooting, aber dazu später mehr.

Seine Inspiration: Ein Mix aus Heiligenportraits und Trash-TV

Erwin Olaf in der Kunsthalle München
Kann man einen Star-Fotografen einfach mit einem Smartphone fotografieren? Erwin Olaf ist hier vor seiner Serie „Royal Blood“ zu sehen, die derzeit in der Kunsthalle München gezeigt wird (Foto: Winderl).

Ganz in weiß gehalten ist die Serie „royal blood“ (2000) für die er tote Adelige inszenierte. In den Oberarm von Lady Di ist ein Mercedesstern geritzt. Die Serie stellt die Adeligen oder die „amerikanischen Neu-Adeligen“ mit ihren Todesarten dar. Das erinnert an die Art, wie Heilige in früheren Jahrhunderten mit ihren Marterinstrumenten dargestellt wurden. Inspiriert wird Erwin Olaf übrigens von allen möglichen Einflüssen. Als Historikerin gefällt mir der Retro-Charm, den große Teile seiner Werke versprühen. Aber nicht nur die Malerei des 19. Jahrhunderts inspiriert ihn, sondern auch z. B. Trash-TV. Eine spannende Kombi!

Das rote Blut auf Jackie Kennedys weißem Kostüm sticht bei der Serie „royal blood“ heraus. „Das Kostüm war gemietet, da war es gut, dass wir mit Photoshop gearbeitet haben“, erklärt Erwin Olaf mit einem Schmunzeln. Ich glaube, ich muss nicht erklären, dass sein holländischer Akzent ihn noch sympathischer wirken lässt!

Wer genau hinsieht, kann neben den Blutspritzern auch Gehirnteile auf Jackys Kostüm entdecken. Bekanntlich wurde JFK neben seiner Frau im Auto sitzend erschossen. Angeblich trug sie bei der Vereidigung des neuen Präsident Johnson an Bord der Air Force One noch ihr Kostüm, das sie während des Attentats an hatte. Ganz schön unheimlich irgendwie, aber auch „unheimlich schön“ die Arbeiten von Erwin Olaf – wie passenderweise der Ausstellungstitel lautet.

Royal Blood Erwin Olaf
In der Serie „Royal Blood“ inszeniert Olaf tote Adelige mit ihren Todesarten im Märtyrerstil früherer Jahrhunderte: Lady Di hat einen Mercedes-Stern im Oberarm. (Foto: Winderl).

Kann man einen Star-Fotografen mit dem Smartphone fotografieren?

Im Vorfeld zur Bloggerführung habe ich mir Gedanken gemacht, ob man einen Star-Fotografen einfach mit dem Smartphone fotografieren kann. Aber dafür extra meine in die Jahre gekommene Spiegelreflex mitschleppen? Mit Olafs erster Kamera könnte die ohnehin nicht konkurrieren. Denn diese war eine Hasselblad, die Königin unter den Fotoapparaten.

Völlig unprätentiös berichtet er, dass ihn jemand während seiner Zeit an der Journalistenschule in Utrecht auf das Medium „Fotografie“ aufmerksam gemacht habe: „Denn schreiben war irgendwie nicht so meins.“ Erzählen wollte er lieber mit Bildern. Und so fotografierte er zunächst die Welt der Studenten – mit vielen Partys, auch schon für die LGBT-Szene. 1990 arbeitete er dann das erste Mal mit einem Team zusammen. 

Die Kuratorin, Anja Huber, erklärte uns, welch ein Vorteil es sei, dass Erwin Olaf auch Werbung fotografiert. „Das macht ihn als Künstler unabhängig, weil er nicht von seiner Kunst leben muss.“ 

In seiner Heimat, den Niederlanden ,ist Erwin Olaf ein Star. So fotografierte er auch die niederländische Königsfamilie. Die Kunsthalle München widmete ihm die erste umfangreiche Einzelausstellung. (Foto: Winderl)

Zwischendurch versuche ich ein gutes Foto von ihm mit meinem iPhone zu machen. Ein Foto vom Fotografen, was für eine Herausforderung! Ich schieße viel mehr Fotos als sonst. Irgendwie trau ich mich nicht fragen, was er von der Smartphone-Fotografie hält, weil ich glaube, Olafs Antwort zu kennen. „Bei Fotografen denke ich mir oft, das kann ich besser!“, aber auch diese Aussage trifft er schmunzelnd. 

Sicher ist es genauso komisch für ihn, von uns Bloggern fotografiert zu werden…

„Alle paar Jahre mache ich ein Selbstporträt- das kostet nichts und ist wie Therapie.“ Sein Triptychon aus dem Jahr 2009 „I Wish – I am – I will be“ erklärt sofort, was er damit meint: Nur das Foto in der Mitte zeigt ihn wie er mit 50 Jahren aussah. Die beiden anderen Fotos sind montiert: „I will“, wie er gerne aussehen würde auf einem jüngeren, durchtrainierten Körper. „I will be“ zeigt ihn mit einer Sauerstoff-Maske. Das zeigt mir, dass der gut gelaunte und erfolgreiche Künstler doch auch etwas Angst vor der Zukunft zu haben scheint. Erwin Olaf hat nämlich eine Lungenkrankheit.

Selbstportrait Erwin Olaf
Das Triptychon „I wish – I am – I will be“ ist ein mutiges Selbstportrait von Erwin Olaf aus dem Jahr 2009 (Foto: Winderl).

Staatsportrait vom aktuellen „Kini“ mit Dackel und Lebensgefährten

Auf ein besonderes Werk, das mich aus mehreren Gründen berührt hat, möchte ich zum Schluss noch ausführlicher eingehen: Die Royals ziehen sich ja wie ein roter Faden durch Erwin Olafs Werk. Und zur die Ausstellung in München sollte ein besonderes Foto entstehen. Bekanntlich sind wir in Bayern ja stolz auf unseren „Kini“. Würden wir noch heute in einer Monarchie leben, wäre Herzog Franz von Bayern unser gekröntes Landesoberhaupt. 

Persönlich habe ich den mittlerweile weit über 80-jährigen Herren immer auch aufgrund seiner Dackel äußerst positiv wahrgenommen. Ich bin ja bekennender Hundefan und weiß, dass der Dackel so etwas wie der Haus- und Hofhund der Wittelsbacher ist.

Herzog Franz
Klassisches Staatsportrait mit Dackel und Ahnen: Herzog Franz von Bayern wäre heute König, wenn die Monarchie in Bayern 1918 nicht abgeschafft worden wäre. (Foto: Winderl).

Also ließ sich „unser“ Herzog Franz natürlich von Erwin Olaf mit seinem Dackel ablichten. Aber nicht nur. Auf einem weiteren „Staatsportrait“ zeigt er sich mit seinem langjährigen Lebensgefährten Thomas Greinwald.

Ich muss gestehen, ich wusste vor dem Besuch der Ausstellung nicht, dass Herzog Franz homosexuell ist. Aber – auch wenn ich keine Regenbogenfahnen hier oder privat poste – ich finde es ein wahnsinnig tolles Statement, dass ein Adeliger, der aufgrund seiner Abstammung eher konservativ leben musste, sich an seinem Lebensabend traut, zu seiner Liebe zu stehen. Natürlich passte es ganz hervorragend, dass es seitens der Kunsthalle spezielle Angebote wie Diversity-Führungen gibt

Sparfacts für ISARSPARER

Als ISARSPARERIN freut mich, dass jeden Dienstag der Eintritt um 50% reduziert ist. Bei einem regulären Eintritt von mittlerweile 13 Euro lohnt sich das durchaus.

Schön ist auch, dass die kostenlose Audiotour mit Kommentaren von Erwin Olaf auch außerhalb der Museumsräume abspielbar ist. Wer also nicht in den Genuss, wie wir Blogger, einer persönlichen Führung mit dem Starfotograf kommt, der erhält hier tolle Einblicke! Vielleicht auch in Kombination mit dem Bildband, der im Museumsshop der Kunsthalle günstiger als im Buchhandel zu erhalten ist 😉

Mein Wunsch: Das Staatsportrait mit Dackel und Lebensgefährte muss ins Passauer Dackelmuseum!

Persönlich würde ich mir wünschen, dass dieses Foto von Erwin Olaf den Weg ins Passauer Dackelmuseum findet… Denn:
1. Gibt es einen höheren Dackelbesitzer als Herzog Franz von Bayern?
2. Sind auch die Museumsbesitzer eine Regenbogenfarben-Familie mit drei Vierbeinern, auch wenn Seppi besonders gerne grün trägt… Liebevoll Familie Dackelbein genannt, aber das ist eine andere Geschichte…

Dieses Staatsportrait von Herzog Franz von Bayern mit Dackel und seinem Lebensgefährten Thomas Greinwald sollte ins Passauer Dackelmuseum. (Foto: Winderl).

Kunsthalle München
Theatinerstraße 8
80333 München
Öffnungszeiten: Täglich 10 – 20 Uhr
An jedem dritten Mittwoch des Monats ist die Ausstellung zur #AfterworkKH bis 22 Uhr geöffnet.

Die Ausstellung „Unheimlich schön“ von Erwin Olaf ist voraussichtlich noch bis 26. September 2021 in der Kunsthalle München zu sehen. Der letzte Dienstag mit ermäßigten Eintritt (früher „blauer Dienstag“ genannt) wäre demzufolge Dienstag, der 21. September 2021.

Transparenzhinweis: Danke an die Kunsthalle München für die Organisation der Bloggerführung in deren Rahmen ich die Ausstellung gratis besucht habe!

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