Bloggerwalk in der Monacensia: Erika Mann und ihre erste Einzelausstellung

Kaum vorstellbar, dass dieser Frau noch nie eine Einzelausstellung gewidmet wurde, wie uns die Co-Kuratorin Sylvia Schütz zu Beginn unseres Bloggerwalks erklärte. Denn schnell wird bei dem Blick in die Ausstellung in der Monacensia klar, dass Erika Mann (1905-1969) mehr war als die Tochter von Thomas Mann.

Doch auch ich muss mir zugestehen, dass bei mir die Beschäftigung mit ihr nach der Bande vom Herzogpark Schluss war. (In meiner Diss reduziere ich sie auf „Schwester von…“.) Erika Mann ist auch eine Tochter der Stadt München! Es ist also nur die logische Konsequenz, dass es die Monacensia ist, die nun die erste Einzelausstellung mit ihr zeigt. Denn sie ist für das literarische Gedächtnis der Stadt zuständig, wie Monacensia-Leiterin Anke Buettner erläutert.

Auf so einem Bloggerwalk fotografiert, twittert man nicht ununterbrochen… Dr. Tanja Praske las zwischendurch sogar aus einem Buch (aus Papier) vor und ergänzte die Führung von Co-Kuratorion Sylvia Schütz (rechts) mit Texten der Hauptprotagonistin. (Foto: Winderl)

Und auch mir wird bewusst, dass ich diese wunderbare „Filiale“ der Münchner Stadtbibliothek auf meinem Sparblog immer etwas stiefmütterlich behandle. Denn eigentlich gibt es hier so viele und vielseitige Veranstaltungen, die gratis sind. 

#ErikaMann als Tochter von…

Doch neben den Erkenntnissen über Erika Mann ist der Austausch mit den anderen Bloggern – on- wie offline – an diesem Abend entscheidend. Diese Bedürfnisse hat Dr. Tanja Pranke in ihrem Bloggerwalk vorbildlich beachtet. Und schnell erkennen wir Gemeinsamkeiten: Marina vom Blog Nordbreze gesteht, dass sie mit Thomas Manns „Zauberberg*“ nicht so viel anfangen kann, bei mir waren es die „Buddenbrooks*“, die ich schon X Mal versucht habe zu lesen. Doch Halt – es geht heute ja um seine Tochter!

Der @zwetschgenmann bringt es in einem Tweet irgendwie auf den Punkt: „Warum hat man uns in der Schule immer mit dem Vater belästigt?“ 

Doch wäre aus Erika Mann, die Frau geworden, die sie war, wenn sie nicht die „Tochter von…“ gewesen wäre? 

Kabarettistin

Gerade in der Jugend war sie durch ihre Herkunft privilegiert, reiste durch Europa und schrieb mit ihrem Bruder darüber („Das Buch von der Rivera*“ von Erika und Klaus Mann). 

Freilich war für die Ausbürgerung im Dritten Reich nicht mehr allein der Familienname, sondern auch ihre politische Betätigung u. a. im Kabarett („Die Pfeffermühle“) verantwortlich.
Der nächste und letzte Teil der Ausstellung bzw. im Leben Erika Manns fasziniert mich besonders. Vielleicht auch, weil ich davon doch schon gehört habe und mich als Historikerin und Journalistin gleichermaßen fasziniert: Für die USA war sie als Kriegsreporterin und einzige weibliche Korrespondentin bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen tätig. (Eine gute Gesamtschau über ihr Werk bietet das Buch „Blitze überm Ozean*“, aus dem Tanja übrigens zitiert hat.)

Kriegsreporterin und politische Rednerin

Am Rednerpult können die Ausstellungsbesucher selbst in die Rolle von Erika Mann als politische Rednerin schlüpfen. In den USA machte sie gegen Nazi-Deutschland Stimmung (Foto: Franzi liest)

Obwohl sie in Englisch nicht die besten Noten hatte (wie im Faksimile ihres Reifezeugnisses in der Ausstellung nachzulesen ist), emigrierte sie über die Schweiz in die USA. Dort sprach sie mit Anfang 30 Jahren vor Zehntausenden Zuhörern und machte Stimmung gegen Nazi-Deutschland. Etwas hineinversetzen in diese Zeit kann man sich als Zuschauer mit einem Rednerpult – natürlich musste da gleich ein Foto her, wir waren schließlich auf einem Bloggerwalk! (Danke an dieser Stelle an Franziska von Franzi liest für ihren Foto-Service.)

Wenn ich in ein Museum gehe, schaue ich das auch immer etwas aus der „Macher“-Perspektive an, schließlich bin ich durch meinen Job als Stadtführerin auch immer wieder mal in der Position, Gäste durch ein Museum zu führen. Solche partizipativen Elemente sind immer gut – nicht nur für die Fotos von der Ausstellung später auf Instagram 😉 Gut gelöst ist in dieser Ausstellung die Kopplung zwischen Ausstellungsthema und Haus: Über QR-Codes gelangt man zu Mann’schen Originaltexten, die sich im Archiv der Monacensia befinden und digital zugänglich sind.
Und damit nicht genug des Digitalen: Auch wenn ihr beim Bloggerwalk nicht dabei wart – macht mit und beteiligt euch in den sozialen Netzwerken beim Austausch zu #ErikaMann!

Stress beim Bloggerwalk

Die Ausstellung über Erika Mann ist noch bis 30. Juni 2020 zu sehen. Der Eintritt ist gratis. Beachtet unbedingt auch das Begleitprogramm! Wir bekamen am 11. November noch eine Live-Lyrik-Performance geboten, die Anna Heger so treffend in ihren Sketchnotes von diesem Abend festgehalten hat. Denn ich habe gemerkt, dass wenn ich parallel zum Bloggerwalk twittere und eine Insta-Story erstelle, das Fotografieren für den Blogpost irgendwie auf der Strecke bleibt…
Zum Glück verlinkt Bloggerwalk-Profi Tanja alle Beiträge meiner Kollegen unter diesem Blogpost der Münchner Stadtbibliothek.

Ob Erika Mann eigentlich auch gebloggt hätte? Da bin ich mir ja fast sicher!

Die Ausstellung „Erika Mann: Kabarettistin – Kriegsreporterin – Politische Rednerin“ wird bei freiem Eintritt bis 30. Juni 2020 in der Monacensia im Hildebrandhaus gezeigt.
Maria-Theresia-Str. 23
Barrierefreier Eingang: Siebertstr. 2
81675 München

Öffnungszeiten:
Mo – Mi, Fr 9.30 – 17.30 Uhr
Do 12.00 – 19.00 Uhr
Die Ausstellungen sind auch Sa, So 11.00 – 18.00 Uhr geöffnet!


2 thoughts on “Bloggerwalk in der Monacensia: Erika Mann und ihre erste Einzelausstellung”

  1. Tanja Praske says:

    Liebe Teresa,,

    vielen herzlichen Dank für deine Besprechung der Ausstellung. Für uns ist es immer wieder faszinierend, wie unterschiedlich geschaut und was ausgeführt wird. Erika Mann beruflicher Wandel ist grundsätzlich mit der politischen Lage verbunden. Politisiert gründet sie das erste anti-faschistische Kabarett, das ins Exil ging. Politisch erzwungen ging sie nach Amerika, trat als politische Sprecherin auf und war als Kriegsreporterin aktiv. In der Nachkriegszeit legten die Amerikaner eine FBI-Akte von ihr an. Ihre Karriere als politische Rednerin ist damit beendet, sie widmet sich bewusst dem Nachlass ihres Vaters und Bruders.

    Eine fesselnde Frau! Danke, dass du auf die QR-Codes hinweist. Die Monacensia-Digital ist eine wahre Fundgrube für weiteren Denkstoff. Witzig war für uns, als Frank Schmitterer ein Tagebuch von Klaus Mann zeigte, wie euch das alle magisch anzog.

    Nochmals merci für dein Dabeisein und diesen wunderbaren Artikel und ja, komm gerne wieder – wir freuen uns auf Dich!

    Herzlich,
    Tanja, Digitale Vermittlung Erika Mann, Monacensia

    1. Teresa A. Winderl says:

      Danke, liebe Tanja, für deinen Kommentar und deine engagierte Orga des Bloggerwalks!
      Ich habe mich noch etwas weiter eingelesen: Allein ihr letzter Lebensabschnitt als Nachlassverwalterin – in Spannung mit der Familie Mann – wäre eine Ausstellung wert 😉 Aber die Ausstellung bringt die wohl wichtigsten Abschnitte prägnant auf den Punkt und mein Blogpost muss das noch etwas kürzer tun, die Leute sollen ja auch noch Texte in der Ausstellung lesen bzw. für zu Hause abspeichern. Die Monacensia-Digital ist ja eine wahre Fundgrube!

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